Self-Billing Peppol BIS: Gutschriftverfahren einfach erklärt
Beim Self-Billing erstellt der Kunde die Abrechnung für die Leistung seines Lieferanten. Peppol BIS Self-Billing ist die eigenständige Spezifikation, mit der dieser Prozess über das Peppol-Netzwerk abgewickelt wird. Diese Seite beschreibt die Rollen, die Dokumenttypen und die Punkte, an denen in der Praxis Fehler entstehen.
Abschnitt 01
Rollen und Ablauf
Beim Self-Billing erstellt der Leistungsempfänger die Rechnung für die Lieferung oder Leistung seines Lieferanten. In Deutschland heißt diese Abrechnung umsatzsteuerliche Gutschrift (§ 14 Abs. 2 Satz 5 UStG). Die wirtschaftlichen Rollen bleiben unverändert: der Lieferant bleibt der leistende Unternehmer, auch wenn der Kunde das Dokument erstellt.
Begriffsklärung. Gutschrift bedeutet hier Abrechnung. Eine Self-Billing Invoice ist weder eine Rückerstattung noch eine kaufmännische Gutschrift.
Abschnitt 02
Die Dokumenttypen
Peppol BIS Self-Billing kennt zwei Nachrichtentypen in der UBL-Syntax und lässt dafür drei Codes zu. Wählen Sie einen Code für die Details.
389 Self-billed invoice
Die ursprüngliche Abrechnung. Der Kunde erstellt die Rechnung für die erbrachte Leistung des Lieferanten. Das ist die umsatzsteuerliche Gutschrift im deutschen Gutschriftverfahren.
261 Self-billed credit note
Reduziert eine frühere Self-Billing-Abrechnung ganz oder teilweise. Dieser Dokumenttyp ist von der ursprünglichen umsatzsteuerlichen Gutschrift zu unterscheiden.
527 Self billed debit note
Die Spezifikation beschreibt 527 mit demselben Satz wie 389: eine Rechnung, die der Rechnungsempfänger anstelle des Verkäufers erstellt. Die Bedeutung als Nachbelastung stammt aus der Codeliste UNTDID 1001, nicht aus dem Peppol-Profil. Die Verwendung sollte deshalb ausdrücklich vereinbart werden.
Der dritte Weg wird häufig übersehen. Das Profil erlaubt negative Gesamtsummen. Eine Self-billed Invoice mit negativem Betrag kann die Self-billed Credit Note ersetzen. Erzeugende Systeme dürfen eine der beiden Varianten umsetzen, empfangende Systeme müssen beide unterstützen.
Verarbeitung beim Empfänger. Wer keinen eigenen Arbeitsablauf für einen dieser Codes hat, darf jede Rechnungsart des Profils wie eine gewöhnliche Rechnung (380) und jede Gutschriftart wie eine gewöhnliche Gutschrift (381) verarbeiten.
Abschnitt 03
Technische Einordnung
Achtung. Der Dokumentcode allein macht eine Datei nicht profilkonform. Die gesamte XML-Datei muss gegen das aktuelle Regelwerk geprüft werden, und der Empfänger muss den Self-Billing-Dokumenttyp im Peppol-Netzwerk tatsächlich empfangen können.
Abschnitt 04
Umsatzsteuerliche Anforderungen
Abschnitt 05
Praxisbeispiel
Ein Getränkelieferant beliefert eine Supermarktkette. Beide haben das Gutschriftverfahren vereinbart. Die Supermarktkette erfasst die angenommenen Mengen und rechnet zu den vereinbarten Preisen ab.
| Vorgang | Code | Betrag netto |
|---|---|---|
| 1.000 angenommene Kisten zu je 12,00 € | 389 | 12.000,00 € |
| 50 Kisten zurückgegeben und gutgeschrieben | 261 | 600,00 € |
| 20 Kisten nachträglich bestätigt | 527 | 240,00 € |
Illustratives Beispiel. Pfand, Rabatte und Umsatzsteuer sind in den Nettobeträgen nicht berücksichtigt.
Alternative zur Gutschrift. Dieselben 600,00 € lassen sich auch als Self-billed Invoice mit negativem Gesamtbetrag abbilden. Welche Variante verwendet wird, gehört in die Vereinbarung zwischen den Parteien.
Quellen
OpenPeppol: Peppol BIS Self-Billing 3.0, Business Interoperability Specification
OpenPeppol: Self-Billing Invoice type code, Subset UNCL1001
OpenPeppol: Self-billed Credit note type code, Subset UNCL1001

