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Self-Billing Peppol BIS: Gutschriftverfahren einfach erklärt

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1 Was ist Self-Billing?

Beim Self-Billing erstellt der Leistungsempfänger die Rechnung für die Lieferung oder Dienstleistung seines Lieferanten. In Deutschland heißt diese Abrechnung umsatzsteuerliche Gutschrift.

  • Der Lieferant erbringt die Leistung und erhält die Vergütung.
  • Der Kunde erstellt und übermittelt das Abrechnungsdokument.
  • Beide Parteien vereinbaren das Verfahren vorab.

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Gutschrift bedeutet hier Abrechnung. Eine Self-Billing Invoice ist keine automatische Rückerstattung und keine kaufmännische Credit Note.

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Weniger Aufwand

Abrechnung direkt aus den beim Kunden vorhandenen Leistungsdaten.

⇄

Bessere Abstimmung

Ein gemeinsam vereinbarter Prozess für Mengen, Preise und Korrekturen.

✓

Digitaler Austausch

Strukturierte Daten ermöglichen die automatisierte Verarbeitung.

2 Wie funktioniert der Ablauf?

Die Leistung fließt vom Lieferanten zum Kunden. Das Abrechnungsdokument geht in die andere Richtung.

▤LEISTUNGSEMPFÄNGER

Kunde / Käufer

Erstellt die Self-Billing Invoice
und bezahlt die Leistung.

Abrechnung →

← Lieferung / Leistung

▦LEISTENDER UNTERNEHMER

Lieferant / Verkäufer

Erbringt die Leistung und
prüft die erhaltene Abrechnung.

  1. VereinbarenVerfahren, Preise und Prüfprozess festlegen.
  2. LeistenLieferung oder Dienstleistung dokumentieren.
  3. AbrechnenKunde erstellt das strukturierte Dokument.
  4. ÜbermittelnÜber den vereinbarten Kanal versenden.
  5. Prüfen & buchenLieferant prüft; beide Parteien buchen.

3 Welche Dokumenttypen gibt es?

Peppol BIS Self-Billing unterscheidet diese drei Dokumentfunktionen. Wählen Sie einen Typ für weitere Details.

CODE 389UBL Invoice

Die ursprüngliche Abrechnung

Der Kunde erstellt die Rechnung für die erbrachte Leistung des Lieferanten. Dies ist die umsatzsteuerliche Gutschrift im deutschen Gutschriftverfahren.

Beispiel: Der Kunde rechnet 100 bestätigte Arbeitsstunden zum vereinbarten Stundensatz ab.
CODE 261UBL CreditNote

Reduzierung einer Abrechnung

Der Kunde erstellt eine Self-billed Credit Note, um eine frühere Self-Billing-Abrechnung ganz oder teilweise gutzuschreiben. Dieser Peppol-Dokumenttyp ist von der ursprünglichen umsatzsteuerlichen Gutschrift zu unterscheiden.

Beispiel: Statt 100 Stunden wurden 90 Stunden geleistet. Die Differenz wird durch eine Self-billed Credit Note ausgeglichen.
CODE 527UBL Invoice

Eine zusätzliche Nachbelastung

Die Self-billed Debit Note bildet im Peppol-Self-Billing-Profil eine Nachbelastung ab. Die Verwendung muss mit dem vereinbarten Prozess und dem Empfängersystem übereinstimmen.

Beispiel: Zusätzlich bestätigte Leistungen führen zu einer Erhöhung des ursprünglich abgerechneten Betrags.

4 XRechnung und Peppol richtig unterscheiden

XRechnung ist ein Rechnungsstandard. Peppol ist ein Netzwerk für den Dokumentenaustausch; Peppol BIS Self-Billing definiert dafür einen eigenen Geschäftsprozess und eigene Dokumentprofile.

Einordnung der Self-Billing-Codes
Dokumentfunktion Code in BT-3 Einordnung
Self-billed Invoice 389 In XRechnung vorgesehen; auch in Peppol BIS Self-Billing.
Self-billed Credit Note 261 In Peppol BIS Self-Billing vorgesehen; außerhalb der von XRechnung BR-DE-17 empfohlenen Codeliste.
Self-billed Debit Note 527 In Peppol BIS Self-Billing vorgesehen; außerhalb der von XRechnung BR-DE-17 empfohlenen Codeliste.

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Für die gewöhnliche Self-Billing-XRechnung ist 389 der passende Code. Für 261 und 527 sind das gewählte Profil, die aktuelle Validierung und die Annahmebedingungen des Empfängers zu prüfen. BR-DE-17 ist als Warnregel formuliert.

In UBL steht der Typ in cbc:InvoiceTypeCode beziehungsweise cbc:CreditNoteTypeCode. In CII wird BT-3 über ram:TypeCode abgebildet. Der Dokumentcode allein macht eine Datei noch nicht profilkonform.

Auch die Empfangsfähigkeit für den konkreten Self-Billing-Dokumenttyp muss im Peppol-Prozess passen. Eine Registrierung für gewöhnliche Rechnungen genügt dafür nicht automatisch.

5 Was müssen Unternehmen beachten?

01

Vorherige Vereinbarung

Self-Billing muss zwischen Kunde und Lieferant vorher vereinbart sein. Eine dokumentierte Vereinbarung schafft einen klaren Nachweis.

02

Vollständige Rechnungsangaben

Unter anderem: Namen und Anschriften, Steuernummer oder USt-ID des Lieferanten, Datum, eindeutige Nummer, Leistung, Leistungszeitpunkt, Entgelt und zutreffende steuerliche Angaben.

03

Kennzeichnung und Prüfung

Die deutsche umsatzsteuerliche Gutschrift ist als „Gutschrift“ zu kennzeichnen. Widerspricht der Lieferant dem übermittelten Dokument, verliert es die Wirkung einer Rechnung.

04

E-Rechnung und saubere Prozesse

Die deutschen E-Rechnungsregeln gelten grundsätzlich auch im Gutschriftverfahren, soweit der Umsatz erfasst ist. Ausnahmen und Übergangsregelungen sind zu berücksichtigen. Doppelte Abrechnungen sollten vermieden werden.

6 Ein einfaches Praxisbeispiel

Ein Dienstleister arbeitet für einen Kunden. Beide haben Self-Billing vereinbart. Der Kunde erstellt die Abrechnung anhand der bestätigten Stunden.

ILLUSTRATIVES BEISPIEL

Gutschrift · Self-Billing Invoice

389

ERSTELLT DURCHKunde / Leistungsempfänger

LEISTUNG ERBRACHT DURCHDienstleister / Lieferant

100 Stunden × 50,00 €5.000,00 €
Umsatzsteuer 19 %950,00 €
Gesamtbetrag5.950,00 €

Vereinfachte Darstellung eines in Deutschland mit 19 % steuerpflichtigen Umsatzes; kein vollständiges Rechnungsdokument.

7 Self-Billing in der Praxis: zwei Branchenbeispiele

Getränkelieferant: Abrechnung nach bestätigten Liefermengen

Ein Getränkelieferant beliefert regelmäßig eine Supermarktkette. Beide Unternehmen vereinbaren vorab das Gutschriftverfahren. Die Supermarktkette erfasst die tatsächlich angenommenen Mengen und erstellt die Abrechnung auf Grundlage der vereinbarten Preise.

Ursprüngliche Abrechnung · Code 389: Für 1.000 angenommene Getränkekisten zu jeweils 12,00 € erstellt die Supermarktkette eine Self-Billing Invoice über 12.000,00 € netto. Der Lieferant prüft die Mengen und Preise und erhält die Zahlung.

Reduzierung · Code 261: Werden 50 bereits abgerechnete Kisten zurückgegeben und zum ursprünglichen Preis gutgeschrieben, erstellt die Supermarktkette im Peppol-Self-Billing-Verfahren eine Self-billed Credit Note über 600,00 € netto.

Nachbelastung · Code 527: Werden zusätzlich 20 gelieferte Kisten nachträglich bestätigt, kann eine Self-billed Debit Note über 240,00 € netto erstellt werden.

Illustratives Beispiel. Pfand, Rabatte und Umsatzsteuer sind in den genannten Nettobeträgen nicht berücksichtigt.

Energielieferant: Stromabrechnung anhand bestätigter Messwerte

Ein Stromerzeuger liefert Energie an einen Energiehändler. Beide vereinbaren, dass der Energiehändler die Abrechnung anhand der bestätigten Messwerte und der vertraglich festgelegten Preise erstellt. Der Stromerzeuger prüft die Mengen, Preise und Abrechnungszeiträume.

Ursprüngliche Abrechnung · Code 389: Bei einer Lieferung von 100 MWh zu 80,00 €/MWh erstellt der Energiehändler eine Self-Billing Invoice über 8.000,00 € netto.

Reduzierung · Code 261: Werden die Messwerte später auf 95 MWh korrigiert, reduziert sich die Abrechnung um 400,00 € netto. Die Differenz kann im Peppol-Self-Billing-Verfahren über eine Self-billed Credit Note abgebildet werden.

Nachbelastung · Code 527: Bei einer Korrektur auf 105 MWh entsteht eine zusätzliche Forderung von 400,00 € netto, die über eine Self-billed Debit Note abgerechnet werden kann.

Vereinfachtes Beispiel bei unverändertem Preis. Die steuerliche Behandlung richtet sich nach dem konkreten Umsatz. Die Codes 261 und 527 beziehen sich hier auf Peppol BIS Self-Billing; die Abgrenzung zu XRechnung bleibt zu beachten.

Quellen & weiterführende Informationen

§ 14 UStG – Ausstellung von Rechnungen ↗OpenPeppol – BIS Self-Billing 3.0 und Dokumentcodes ↗KoSIT – Spezifikation XRechnung 3.0.2, BR-DE-17 ↗BMF – Fragen und Antworten zur E-Rechnung ↗

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